Viel Gutes getan und Großes erreicht

Mit Herz und Tatkraft hat sich Dr. Rudolf Seiters fast anderthalb Jahrzehnte als DRK-Präsident in der deutschen humanitären Hilfe engagiert. Nun verzichtet er auf eine erneute Kandidatur und geht wenige Wochen nach seinem 80. Geburtstag in den verdienten Ruhestand.

Als der Mann mit dem verschmitzten Lächeln nach 34 Jahren seine parlamentarische Arbeit im Deutschen Bundestag beendete, herrschte bei seiner Familie Alarmstufe Rot. Ehefrau und Töchter fürchteten um Pflanzen und Gewächse im Eigenheim in Papenburg. Denn bis heute ist Rudolf Seiters auch ein begeisterter Hobbygärtner. Viel Zeit fürs heimische Grün blieb aber nicht: Das Deutsche Rote Kreuz rief an. Nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik sollte der Jurist eine ehrenamtliche Aufgabe übernehmen – als Präsident des DRK.

Mit dem Roten Kreuz war Rudolf Seiters bereits lange verbunden: Als Kanzleramtsminister im Kabinett von Helmut Kohl erlebte er den Einsatz der ehren- und hauptamtlichen DRK-Helfer für die DDR-Flüchtlinge in der Prager Botschaft im Sommer 1989 hautnah. Dieses Engagement ist ihm nie aus dem Kopf gegangen. Fast anderthalb Jahrzehnte lang engagierte sich Seiters in seiner zweiten Karriere für humanitäre Hilfe in Deutschland und in der Welt.

Bereits im vergangenen Jahr kündigte der Vater von drei erwachsenen Töchtern, der am 13. Oktober seinen 80. Geburtstag feierte, an, 2017 auf eine erneute Kandidatur als DRK-Präsident zu verzichten. In der aktuellen Geburtstagsfestschrift „Helden des Helfens. Die deutsche Katastrophenhilfe im internationalen Einsatz“ würdigt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die Schirmherrschaft über die völkerrechtlich humanitäre Arbeit des DRK innehat, den Weitblick und die Courage, mit der Seiters auch unter schwierigsten Bedingungen Gutes tut und Großes erreicht: „Mit Geduld, Herz und mit Erfolg hat sich Rudolf Seiters an entscheidender Stelle in der deutschen humanitären Hilfe engagiert“, schreibt Steinmeier.

Ebenfalls in der Festschrift charakterisiert Bundeskanzlerin Angela Merkel den scheidenden DRK-Präsidenten als einen Mann, der dem Gemeinwohl aus tiefer Überzeugung und der politischen Erfahrung heraus dient – und betont, wie wichtig solche Menschen sind. Der Staat könne nicht alles leisten. Dafür nennt Merkel ein Beispiel: Als 2015 in kurzer Zeit sehr viele Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen waren, in Deutschland versorgt werden mussten, hat das DRK mit seinem Präsidenten einmal mehr unter Beweis gestellt, wozu es imstande ist. Und so wurde Rudolf Seiters im Alter von 78 Jahren zur moralischen und menschlichen Instanz deutscher Flüchtlingshilfe. Der DRK-Präsident war dabei, als Angela Merkel im August 2015 die Flüchtlingsunterkunft in Heidenau besuchte und Demonstranten die Kanzlerin anpöbelten. „Man konnte sich nur schämen“, so das Fazit von Seiters.

Für den scheidenden DRK-Präsidenten steht bis heute fest: Deutschland könne nicht alle Flüchtlinge aufnehmen, müsse aber im Verbund mit Europa helfen. Ein Europa, das sich leider allzu oft nicht als eine solidarische Wertegemeinschaft darstelle und an nationalen Egoismen leide.

„Das Ehrenamt zu fördern, zu stärken und anzuerkennen, ist eine der wichtigsten Aufgaben von Rudolf Seiters in den vergangenen Jahren gewesen“, so der frühere Präsident des Deutschen Bundestags, Norbert Lammert, in seinem Geburtstagsgruß. Lammert schreibt vom Glück der zweiten Karriere und dass Seiters nach seinem Ausscheiden aus der Politik erneut Bleibendes gelungen sei. „Sein Einsatz für die Helden des Helfens ist vor allem Wahrnehmung und Anerkennung des Ehrenamts.“



„Rudolf Seiters beeindruckt mich seit Jahren mit seinem Unermüdlichen Einsatz für Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt. Seinem Engagement für das DRK gebührt die höchste Anerkennung.“



Jette Joop, Kinderbotschafterin des DRK



„Die Reisen mit Rudolf Seiters nach Pakistan, in den Irak und nach Lesotho haben mich tief beeindruckt. Ich konnte sehen, wie unendlich wichtig die Arbeit des DRK für die Menschen überall in der Welt ist."



Maybrit Illner, DRK-Botschafterin seit 2003



„Egal, welche Religion oder Hautfarbe man hat: Jeder kann helfen und ist willkommen, sich beim DRK einzubringen. Das ist die Botschaft, die Rudolf Seiters als DRK-Präsident vorgelebt hat.“



Semino Rossi, DRK-Botschafter seit 2015



"Helfen ist eigentlich ziemlich einfach: Ärmel hochkrempeln und loslegen. So haben Rudolf Seiters und ich es gemacht, als wir uns für die Straßenkinder Lateinamerikas eingesetzt haben. Ihr Schicksal hat uns beide sehr berührt."



Jeanette Biedermann, DRK-Botschafterin seit 2003



„Dr. Rudolf Seiters ist ein Mann, den ich sehr bewundere. Als Präsident des DRK ist er seit 14 Jahren mit so viel persönlichem Einsatz aktiv – und hilft den Menschen, denen es nicht so gut geht! Wir alle hoffen, dass Herr Dr. Seiters dem DRK ganz eng verbunden bleibt - wir brauchen ihn weiterhin. Ich kann nur sagen: Danke lieber Herr Seiters!“



Carmen Nebel, DRK-Botschafterin seit 2004

„Rudolf Seiters war ein Glücksfall für das DRK. Bei vielen Begegnungen mit ihm erlebte ich seine Tatkraft und auch seinen Humor. Er hat es verstanden, die Menschen im In- und Ausland für die Arbeit des DRK zu begeistern. Sein besonderes Augenmerk galt aber dem ehrenamtlichen Engagement. Seine Botschaft war ebenso einfach wie überzeugend: Jede Hilfe zählt.“



Jan Hofer, DRK-Botschafter seit 2005

Text: Gerhard Walter // Fotos (von oben nach unten): Marco Urban; Metodi Popow / imago; Eduard Fiegel / DRK; Soeren Stache / dpa; Franziska Krug / Getty Images; Jürgen Heinrich / imago; Geisler / Fotopress; Ralf Heinrich / dpa-Zentralbild; Tristar Media / Getty Images; Matthias Nareyek / Getty Images