Wiederaufforstung und Gemüseanbau

Seit 1997 engagiert sich das Deutsche Rote Kreuz in Nordkorea. Die Hilfe konzentriert sich vor allem auf die Katastrophenvorsorge und den Anbau von Nahrungsmitteln.

Jeden Sommer warten die Menschen in Nordkorea auf Jangma, den Monsun. Dabei stellen sich viele Nordkoreaner bange Fragen: Drohen wieder Überschwemmungen? Oder Erdrutsche, wenn der Boden durch die Wassermassen weggeschwemmt wird? Und was geschieht, wenn es gar nicht regnet und Wasser zum raren Gut wird? Fakt ist, dass Nordkorea durch den Klimawandel immer öfter von Naturkatastrophen heimgesucht wird. Regelmäßig tritt der Fluss Tumen im Norden des Landes über die Ufer. Vor knapp zwei Jahren verloren über 70 000 Menschen ihre Habe, große Teile der Ernte wurden von den Wassermassen vernichtet. 

Das DRK im Einsatz

Marlene Fiedler war in solchen Fällen zur Stelle. Die 30-jährige DRK-Delegierte war vom Sommer 2016 bis Dezember 2017 in Nordkorea im Einsatz. Unmittelbar nach den Überschwemmungen war sie in der nördlichen Provinz Hamgyong vor Ort. Zusammen mit Helfern des Nordkoreanischen Roten Kreuzes verteilte sie Zeltplanen, Decken, Küchensets und Hygieneartikel. Ihre wichtigste Aufgabe aber war die Katastrophenvorsorge. Im Gespräch mit nordkoreanischen Rotkreuzhelfern und Bauern erklärte sie, wie Hänge und Dämme vor Erosion geschützt werden können – etwa durch das Anpflanzen von Sträuchern und Bäumen. „Deren Wurzeln stabilisieren den Boden und verhindern so, dass die feuchte, nährstoffreiche Erde während des Monsuns von den Feldern geschwemmt wird“, sagt Fiedler. „Am Ufer von Flüssen lassen sich mithilfe von Pflanzen sogar Dammbrüche und somit Überflutungen vermeiden.“ Werden dann Apfelbäume angepflanzt, wird zudem das Nahrungsangebot größer.

Nachhaltiger Umgang mit Wasser

Die Sicherung der Lebensmittelversorgung ist ein weiteres Thema im nordkoreanischen Alltag. Lediglich 17 Prozent des Landes sind landwirtschaftlich nutzbar, der Rest des Bodens besteht aus felsigem Untergrund. „In unserem Projekt zeigten engagierte Kollegen der Staatlichen Akademie der Wissenschaften den Menschen, wie in Gewächshäusern Tomaten, Gurken und Kohl angebaut werden können. Außerdem gaben wir Tipps zum nachhaltigen Umgang mit Wasser – etwa während einer Dürreperiode.“

Und so erklärte Marlene Fiedler, dass bei Trockenheit Schläuche über die Felder gespannt werden können. „An den Stellen, an denen sich Pflanzen wie Kartoffeln, Mais oder Soja befinden, werden die Schläuche dann mit kleinen Löchern perforiert – was folgt, ist eine punktgenaue Bewässerung.“ Und wie klappte es mit der Sprache? Marlene Fiedler: „Überraschend gut. Viele Nordkoreaner sprechen nämlich Deutsch – sie haben in der früheren DDR studiert.

Text: Gerhard Walter // Foto: Benjamin Suomela/Finnish Red Cross