Ein Netzwerk, das trägt

Das Deutsche Rote Kreuz bietet allen Menschen die Möglichkeit, sich in unterschiedlichsten Bereichen freiwillig zu engagieren. Der Einsatz für andere macht Spaß, stiftet Sinn und hilft dabei, eigene Stärken zu entdecken.

Beim Blutspendetermin im brandenburgischen Ludwigsfelde wird den Spendern nicht langweilig - obwohl sie Schlange stehen für die Registrierung und das Arztgespräch und schließlich warten bis die Liege frei wird. Ein Team ehrenamtlicher Helfer rund um die Freundinnen Hannelore Billig und Gudrun Jentsch plaudern mit den Spendern und versorgen sie mit Essen und Getränken. Schon am Vortag hatten sie Kuchen gebacken und Suppe gekocht. Zwei Stunden vor Beginn wurden Brötchen belegt, Kaffee und Tee aufgesetzt und das Buffet aufgebaut. „Das ist wie ein Achtstundentag. Wir sind danach fix und fertig – aber es macht einfach Spaß“, sagt Gudrun Jentsch. Die 65-Jährige gehört zu den mehr als 200 000 Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes, die mithelfen, jährlich rund 43 000 Blutspendetermine zu organisieren. Damit tragen sie dazu bei, die Blutversorgung in Deutschland sicherzustellen.

Möglichkeiten des Engagements

Für die beiden brandenburgischen Freundinnen ist dies jedoch nur ein Teil ihres Engagements im DRK. So organisiert Gudrun Jentsch zudem Spielenachmittage für Senioren und betreut Angebote für Flüchtlingskinder. Und Hannelore Billig kümmert sich um die Finanzen des DRK-Ortsvereins. Die Möglichkeiten, ehrenamtlich beim DRK mitzumachen, sind so vielfältig wie das Rote Kreuz selbst. Ob Seniorenbetreuung, Hilfe nach Unfällen oder Katastrophen, Dienste in Kleiderkammern oder Suppenküchen, Sanitätsdienst bei Veranstaltungen, Begleitung von Flüchtlingen, Kinder- und Jugendarbeit und vieles mehr: Überall leisten die Freiwilligen wertvolle Dienste für den Zusammenhalt und das Wohlergehen der Menschen in unserem Land. Rund 425 000 Helfer sind es bundesweit.

Unterschiedliche Menschen werden zu einem Team

Wer sie nach ihren Motiven fragt, erhält Antworten wie diese: „Ich helfe Menschen in Notlagen, weil ein Lächeln, ein Händedruck oder ein dankbarer Blick für mich wertvolle Geschenke sind. Diese Gesten zeigen mir, dass ich Gutes mit meiner Arbeit bewirken kann.“ Das sagt Anne Gorgels aus dem nordrhein-westfälischen Sinnersdorf. Was sie darüber hinaus begeistert, ist, Teil einer internationalen Bewegung zu sein. „Weltweit arbeiten 17 Millionen Menschen verschiedenster Nationalitäten und Kulturen zusammen, um anderen allein nach dem Maß ihrer Not zu helfen. Nur die Menschlichkeit zählt. Das finde ich toll.“

Erfahrungen für den Beruf

Die 27-Jährige ist seit 2008 Mitglied der DRK-Gemeinschaft Wasserwacht, die in und am Wasser Menschenleben rettet, Rettungsschwimmer ausbildet und Jung und Alt das Schwimmen beibringt. Anne Gorgels´ Hauptaugenmerk gilt der Nachwuchsförderung. Ihr widmet sie sich in ihren ehrenamtlichen Funktionen als Landesbeauftragte Jugend der Wasserwacht Nordrhein und als Gruppenleiterin des Jugendrotkreuzes in Sinnersdorf. „Es ist toll, zu beobachten, wie Jugendliche an ihrer Arbeit im Roten Kreuz wachsen und Selbstvertrauen bekommen, wie eine Gruppe aus Individuen verschiedener Altersklassen zu einem starken Team zusammenwächst. Das gibt mir unglaublich viel Motivation.“ Ein weiteres dickes Plus: Ihr Engagement ermöglicht es der Rotkreuzlerin, wertvolle Erfahrungen für ihren Beruf zu sammeln. Denn Anne Gorgels ist Referendarin an einem Kölner Gymnasium. Wenn sie im November als frischgebackene Lehrerin startet, kann sie im Gegensatz zu vielen ehemaligen Kommilitonen, die dann erstmals pädagogische Verantwortung übernehmen, bereits auf einen Fundus praktischen Wissens zurückgreifen, den sie in vielen Jahren ehrenamtlicher Kinder- und Jugendarbeit gewonnen hat.

Wie sinnvoll sich Beruf und Ehrenamt im DRK verbinden lassen, zeigt auch das Engagement vieler Mediziner, die als Verbandsärzte tätig sind oder in den Auslandseinsatz gehen. Ingenieure und Techniker leisten wertvolle Dienste im Bevölkerungsschutz. Betriebswirte stellen sich als Schatzmeister zur Verfügung. Journalisten unterstützen die Öffentlichkeitsarbeit. Juristen beraten das DRK ehrenamtlich oder tragen als Konventionsbeauftragte dazu bei, Wissen über das humanitäre Völkerrecht bekannter zu machen. Auch unabhängig vom erlernten Beruf bietet das DRK allen, die helfen möchten, viele Optionen, eigene Fähigkeiten, Stärken und Talente einzusetzen.

Neue Wege, um Menschen fürs Ehrenamt zu begeistern

Rund vier Fünftel der Ehrenamtlichen sind sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrem Engagement im DRK. Das ergab eine Befragung von 3 770 Freiwilligen, die das DRK 2016 zusammen mit der Technischen Hochschule Köln durchgeführt hat. Gründe für diese positive Resonanz sind neben der Vielfalt an Einsatz- und Gestaltungsmöglichkeiten auch die anspruchsvollen Aus- und Fortbildungen. Zeitintensive Präsenzseminare werden dabei vermehrt mit digitalen Lernangeboten kombiniert. Erste Erfahrungen sammelte der DRK-Landesverband Brandenburg. 2017 bot er erstmals das Rotkreuz-Aufbauseminar – für viele Ehrenamtsfunktionen ein Muss – als E-Learning-Angebot an. Im Auftrag des Bundesverbands tüfteln die Innovatoren nun an E-Learning- Programmen für die bundesweite Führungs- und Leitungskräfteausbildung.

Kurzfristig mitanpacken

Auch neue Mitwirkungsformen machen es vielen einfacher, sich für andere einzusetzen. So ermöglicht das DRK all jenen, die sich nicht langfristig an eine Organisation binden möchten oder beruflich und privat stark eingespannt sind, auch kurzfristig mitanzupacken – vor allem dann, wenn bei größeren Notlagen oder Herausforderungen viele helfende Hände gefragt sind. Als sogenannte ungebundene Helfer unterstützen sie das Rote Kreuz für ein paar Stunden oder Tage – etwa, indem sie Flüchtlinge versorgen oder Evakuierte betreuen, die aufgrund einer Flut ihre Häuser verlassen mussten, wie in Deutschland 2009 und 2013. Verschiedene DRK-Gliederungen haben dazu Anlaufstellen eingerichtet, an die sich diese Freiwilligen wenden können. In Westfalen koordiniert etwa das Team Westfalen den Einsatz der ungebundenen Helfer, in Mecklenburg-Vorpommern das Team MV und in Bayern das Team Bayern.

Text: Anja Martin // Foto: Rudolf Wiechert/DRK e. V.