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Weiter so
Eine gelungene Ausgabe des rotkreuzmagazins! Der informative Artikel über die Historie des Roten Kreuzes und das besondere Interview mit dem Komponisten Helmut Oehring verdienen Lob. Letzteres hat sogar die Sonntagslektüre der FAZ übertroffen. Weiter so …!
Sabine Oberbillig, Mainz
Artikel "Normal ist anders" Seite 18-19
Unsere Kinder leiden nicht
Ich habe mich besonders auf den Artikel „Normal ist anders“ gefreut, da auch wir einen Sohn mit dem Down-Syndrom haben. Mit einigem Unverständnis habe ich jedoch eine der Bildunterschriften gelesen. Dort heißt es: die 14-Jährige leidet am Down-Syndrom. Unsere Kinder leiden nicht am Down-Syndrom – sie haben es. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das berücksichtigt wird. Denn für mich gehört auch der sprachliche Umgang mit der Behinderung zur Inklusion. Angela Wolf, per E-Mail
Kein sensibler Umgang mit Sprache
In der Bildunterschrift zu dem Artikel steht: Fröhlicher Teenager (...), die am Down-Syndrom leidet. Abgesehen davon, dass diese junge Frau überhaupt keinen leidenden Eindruck macht: Bedeutet Inklusion nicht, dass Menschen mit und ohne Einschränkungen gleichberechtigt nebeneinander gesehen werden? Es ist ja nicht nur der barrierefreie Bahnhof und das gemeinsame Lernen in der Schule, sondern das Bewusstsein, dass alle Menschen, unabhängig davon, ob sie ein Handicap haben oder nicht, gleichwertig und gleichberechtigt ihren Platz in unserer Gesellschaft haben. Jedoch suggeriert „sie leidet“ Krankheit und Defizit gegenüber einem gesunden Durchschnitt. Ich bin erstaunt über diesen Mangel an sensiblem Umgang mit Sprache oder mangelnder Auseinandersetzung mit der Idee der Inklusion – gerade in einem Artikel zum Thema „Inklusion“.
Petra Thielen-Jäckel, Lebach
Da haben Sie so ein wunderbares Thema ausgewählt und sehr interessant aufgearbeitet! Und doch bin ich über die Bildunterschrift auf S. 19 gestolpert: "Senem, die am Downsyndrom leidet". Hier zeigt sich, wie Sprache doch oft unbewusst tief verwurzelte Ansichten offenbart. "Leidet" Senem wirklich am Downsyndrom? Auf dem Foto sieht es nicht so aus. Hier spricht vielleicht das "Mitleid" anstelle des Mitgefühls. Dies ist ein weiterer großer Themenbereich, mit dem sich Menschen mit Behinderung oft konfrontiert sehen. Niemand möchte Mitleid, sondern so angenommen werden, wie er ist. Oder - wie es Herr Oehring zwei Seiten weiter ausdrückt: "Normalität wird sowieso überbewertet."
Rebecca Fuchß, per E-Mail
Den Zauber bewahren
Mit Begeisterung habe ich den Bericht „Normal ist anders“ gelesen. Denn er spiegelt genau das wider, was ich im vergangenen Jahr erleben durfte. Ich bin seit 19 Jahren Lehrer für Holztechnik an einem Berufsschulzentrum. 2012 habe ich eine Zusatzausbildung zum Sonderpädagogen gemacht. Dabei habe ich Erfahrungen gesammelt, die mir als Lehrer bis dahin verborgen geblieben waren. Und die ich wahrscheinlich nie hätte machen dürfen, wenn nicht die Schülerzahlen im Schreinerhandwerk rückläufig gewesen wären.So kam es, dass im Laufe der Zeit Lernschwache, frühzeitig Arbeitslose sowie geistig behinderte Menschen zu uns an die Schule kamen. Vor zwei Jahren bat mich mein Schulleiter, für vier Stunden pro Woche eine Klasse von Schülern mit geistiger Behinderung zu unterrichten. Die Erfahrungen, die ich bei dieser Unterrichtsform machen konnte, waren enorm.
Wir unterrichteten immer zu zweit: eine Fachkraft für Holztechnik und ein Sonderpädagoge. Mir wurde sehr schnell klar, dass Unterrichtseinheiten der Berufsschulklassen auf ein Minimum heruntergebrochen werden mussten. Auch nimmt die emotionale Ebene im Unterricht eine enorme Rolle ein. Ein Vorteil für die Lehrkraft ist die hohe Motivation, die die Schüler mitbringen. Denn sie erleben das Gefühl, zur Gesellschaft zu gehören.
In meinen Praktika an G-Schulen (Schulen für Menschen mit geistigen Behinderungen, d. Red.) wurde mir die Bandbreite von geistigen Behinderungen vor Augen geführt. Auf der einen Seite unglaubliche Schicksale und auf der anderen Seite Offenheit, Freundlichkeit und Neugierde von den Schülern. Ich kann jedem, der mit Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten möchte, nur empfehlen, ein Praktikum in so einer Institution zu machen. So kann jeder für sich entscheiden, ob er diesen Anforderungen gewachsen ist. Der eine sieht es als Aufgabe und Erfüllung, der andere könnte an dem Leid zugrunde gehen.
Bei uns am Berufsschulzentrum Freudenstadt wird nun eine Klasse für Schüler mit geistiger Behinderung aufgemacht. Hierzu werden zwei Lehrer von G-Schulen zu uns versetzt. Das heißt, wir wagen dieses Jahr den Weg der Inklusion.
Und dazu fällt mir ein Satz von Hermann Hesse ein: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Wenn wir uns diesen Zauber bei der Arbeit mit diesen Menschen bewahren, werden wir selber zu anderen, glücklichen Menschen.
Martin Klisch, Heinrich-Schickhardt-Schule, Berufliches Schulzentrum, Freudenstadt
Artikel: Götz Werner im Interview, S. 24
Mutiger Querdenker
Mit Begeisterung lese ich gerade das Gespräch mit Götz Werner. Darauf habe ich schon sehr lange gewartet. Ich arbeite im DRK-Kreisverband Altena-Lüdenscheid und erlebe täglich hautnah mit, was Armut und explizit Kinderarmut heißt. Ich bewundere Götz Werner sehr, weil er soziale Verantwortung übernimmt, nicht nur als Arbeitgeber. Ich habe es persönlich erlebt und konnte mir auch nach einiger Zeit das Ehrenamt nicht mehr leisten - von Ehrenzeichen und Dankesbekundungen wird man leider nicht satt. Ich wünsche mir mehr Querdenker und mutige Menschen, die verhärtete Strukturen aufbrechen. Auch auf dem "großen, schwer beweglichen Tanker" Rotes Kreuz. Vielen Dank für Eure Arbeit.
Gudrun Rubner, Altena-Lüdenscheid
Artikel: "Aufopfern war gestern", Seite 6
Aufopfern?
Sinngemäß schreiben Sie, dass man früher nur Ehrenamtler wurde, weil es sich so gehört hätte. Da bin ich anderer Meinung. Natürlich war es gut angesehen, wenn man eine Funktion im Sportverein oder in der Freiwilligen Feuerwehr hatte. Aber ist das heute nicht auch noch so?
Ludwig Reichenbach, Pforzheim
Artikel: Interview mit Angela Merkel, Seite 24
Bedrückend
Ich finde es bedrückend, dass Frau Merkel das DRK der DDR haerabwürdigt, indem Sie meint, dass "der Staatsapparat das DRK gebraucht hat". Im DRK hing das Honecker-Bild, ja. Aber es wurde auch sehr aktive Arbeit geleistet, medizinisch, sozial, soliarisch im Land und im Ausland, wo nach Naturkatastrophen Hilfe gebraucht wurde.
Walter Vorwerk, Berlin-Lichtenberg
Artikel: Wiedersehen auf Zeit, S. 24-25
Ein Zeichen der Menschlichkeit
Als Mitglied des Roten Kreuzes bekomme ich das Rotkreuzmagazin, das ich meist mit Interesse und gewinn lese. Ich freue mich auch heute, darüber zu lesen, wie Fredrik Barkenhammar berichtet, dass das kleine palästinensische Mädchen aus einem Flüchtlingslager in Betlehem ihre Mutter in einem israelischen Gefängnis besuchen darf. Es ist traurig für das Kind, dass sich seine Mutter eines Vergehens schuldig gemacht hat, das sie ins Gefängnis brachte. Es ist aber auch bezeichnend und bemerkenswert, dass – wie dort steht – „der angespannten Sicherheitslage zum Trotz“ die israelischen Behörden sich dennoch gemäß der Genfer Konventionen verhalten und erlauben, das „über 20.000 Palästinenser ihre Angehörigen im Gefängnis besuchen können … Im Zeichen der Menschlichkeit“. Wie Sie wissen, sind sehr viele dieser Palästinenser an blutigen Terroranschlägen gegen die Zivilbevölkerung Israels beteiligt gewesen. Umso mehr verwundert, nein, empört es mich, dass es im Falle des seit mehreren Jahren im Gaza von der Terrorgruppe Hamas entführten jungen israelischen Soldaten Gilad Schalit anders gehandhabt wird. So weit ich weiß, haben seine Angehörigen ihn – entgegen den Genfer Konventionen – nicht besuchen dürfen, wiewohl er eine unschuldige Geisel ist. Was tut das Rote Kreuz in dieser Angelegenheit? Ich möchte Sie daher bitten, dementsprechend endlich auch tätig zu werden, denn ein Zeichen der Menschlichkeit gebührt auch Gilad Schalit!
Dr. Elvira Grözinger, Berlin
Artikel: Bessere Wege suchen, S. 18-19
Mit großem Interesse habe ich den Artikel über den Vorsitzenden des Weltzukunftsrates, Jakob von Uexküll gelesen. Es ist dort im Interview dargelegt, daß er mit dem Roten Kreuz keine Verbindung habe. Nun ist mir aus dem Buch des früheren Generalsekretärs des DRK, Dr. Anton Schlögel, Geist und Gestalt des Roten Kreuzes (1987, Druckerei Hachenburg GmbH) bekannt, mit welchem Einsatz die Gräfin Alexandrine von Uexküll als Rotkreuzschwester im I. Weltkrieg und vielen anderen Einsatzorten des Roten Kreuzes aktiv war. Ich vermute, dass verwandtschaftliche Beziehungen zwischen beiden Persönlichkeiten bestehen.
Werner Steinmetz