Wenn Smartphone und Co. krank machen

SMS-Daumen, Handynacken und Mausarm – was sich erst einmal ungewöhnlich anhört, kann oft Schmerzen verursachen. Dr. Patrick Löhr, Chefarzt der Orthopädie im DRK-Krankenhaus Hachenburg, erklärt die noch jungen Fehlhaltungsphänomene der Generation Smartphone.

Ob in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Einkaufszentrum oder auf dem Gehweg – rundherum sieht man Menschen, die mit gesenkten Köpfen auf ihr Smartphone blicken, hektisch über das Display wischen oder Kurznachrichten eintippen. Handy, Tablet und Co. sind heute zum ständigen Begleiter geworden. Ein Begleiter, dessen Nebenwirkungen aber oft unterschätzt werden. Denn wer sich zu lange in derselben monotonen Haltung mit seinem Gerät beschäftigt, läuft Gefahr, schon bald über Muskelverspannungen zu klagen. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu chronischen Fehlstellungen des Bewegungsapparates kommen.

Schmerzen durch Display-Blick

Patrick Löhr, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie im DRK-Krankenhaus in Hachenburg, beobachtet die Entwicklungen mit Sorge: „Seit einigen Jahren kommen vermehrt auch viele junge Patienten mit Rückenbeschwerden zu uns in die Klinik“, sagt Löhr. „Sie berichten dann oftmals über Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule oder über Verspannungen in der Schulter und im Nacken.“ Für den Orthopäden ist der Fall klar: Ein gesenkter Kopf, der mehrere Stunden pro Tag starr auf das Handy gerichtet ist, übt einen Druck auf den Rücken aus, der schon nach kurzer Zeit zu muskulären Beschwerden führen kann. Je länger und öfter auf das Display geschaut wird, desto schlimmer sind die Folgen: „Durch den nach vorn geneigten Kopf fallen die Schultern nach vorn, die Halsmuskeln überdehnen und die Wirbelsäule wird belastet“, erklärt Löhr. „Das kann letztendlich auch Schmerzen in den Armen hervorrufen.

Im schlimmsten Fall kann es zu Kopfschmerzen oder einem frühzeitigen Verschleiß der Bandscheiben kommen.“ Auch der Daumen bleibt von den Folgen der Smartphonenutzung nicht verschont. Als Hauptakteur beim Verfassen von Textnachrichten, Tippen und Wischen leistet er enorme Bewegungsarbeit: „Das Problem ist, dass meist nur einer der beiden Daumen im Einsatz ist. Diese einseitigen, kreisenden, oft ruckartigen Bewegungen belasten das Daumensattelgelenk und strapazieren die Sehnen“, sagt der Orthopäde. „Was folgt, ist der sogenannte SMS-Daumen.“

Taube Finger durch die „Maus“

Doch nicht nur die neuesten Endgeräte können Fehlhaltungen hervorrufen. Wer den ganzen Tag am Schreibtisch vor PC oder Laptop verbringt, ist anfällig für den sogenannten Mausarm. Ein leicht angewinkelter Arm und ein abgeknicktes Handgelenk sind bei der Bedienung von Tastatur und Maus programmiert. Auch hier gilt: Je länger in dieser unnatürlichen Position verharrt wird, desto schmerzhafter sind die Folgen. „Beim Arbeiten am Computer wirkt ein starker Druck auf die Nerven, die an der Innenseite des Armes verlaufen. Zudem werden wichtige Nerven im Handgelenk überdehnt“, erklärt der Orthopäde. „All das kann zu einem Engpass führen, der Taubheitsgefühle in den Fingern und Schmerzen in der Hand hervorruft.“

Damit die Symptome des Mausarms gar nicht erst auftreten, empfiehlt Löhr höhenverstellbare Schreibtische, ergonomische Tastaturen oder Mauspads, die mit gestrecktem Handgelenk bedient werden können. Generell gilt bei der Prävention: Wer sich vor Smartphone- und PC-Fehlhaltungen schützen will, sollte lange, monotone Stellungen von Kopf und Armen vermeiden, so oft wie möglich die Sitzposition wechseln und die strapazierten Sehnen und Muskeln gezielt lockern. „Sport ist eine gute Möglichkeit, um den Bewegungsapparat zu stärken. Das allein reicht aber nicht aus, um die Belastungen zu kompensieren“, so Löhr. „Viel wichtiger ist es, die unnatürlichen Haltungen so oft wie möglich zu unterbrechen und Dehn- oder Entspannungsübungen zu machen.“

Text: Tina Zeinlinger  // Foto: Astrakan Images/Getty Images