„Hilfe dort leisten, wo sie wirklich gebraucht wird“

Seit Dezember 2017 ist Gerda Hasselfeldt Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes. Damit steht erstmals eine Frau an der Spitze der großen deutschen Hilfsorganisation. Im Gespräch mit dem rotkreuzmagazin definiert die frühere Bundesministerin ihre Visionen, Ziele und Ansprüche.

Was hat Sie gereizt, nach so vielen Jahren in der Politik die Rolle der DRK-Präsidentin zu übernehmen?

Ich habe dieses Amt nicht angestrebt. Aber als ich im Sommer vergangenen Jahres darum gebeten wurde, meine Erfahrungen und Kontakte in eine ehrenamtliche Tätigkeit einzubringen, war der Reiz für mich dann doch sehr groß. Denn auch in der Politik habe ich die Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes immer gefördert und den vielfältigen Einsatz der ehrenamtlichen Helfer unterstützt. Es ist eine unheimlich wichtige Arbeit für unsere gesamte Gesellschaft, für Menschen in Not im Inland wie im Ausland. Außerdem bin ich dem Deutschen Roten Kreuz schon seit Jahren als Fördermitglied eng verbunden. Das DRK besteht aus dem Generalsekretariat, 19 Landesverbänden und dem Verband der Schwesternschaften sowie fast 500 Kreisverbänden und mehr als 4 500 Ortsvereinen.

Was wollen Sie im neuen Amt bewegen?

Mir liegt sehr viel daran, das Ehrenamt weiter gezielt zu fördern und zu stärken. Es ist ein zentrales Fundament unserer Gesellschaft. Allein im Deutschen Roten Kreuz haben wir drei Millionen Fördermitglieder, die Zahl der Ehrenamtlichen ist erfreulicherweise seit 2010 von 395 000 auf 415 000 gewachsen – der demografischen Entwicklung zum Trotz. Das gute Miteinander von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen ist dabei eine Besonderheit und Stärke in unserem Deutschen Roten Kreuz.

Wie gut sind die DRK-Freiwilligendienste aufgestellt?

Bei den Freiwilligendiensten muss dringend nachgebessert werden. Derzeit haben wir beim Freiwilligen Sozialen Jahr und beim Bundesfreiwilligendienst mehr Bewerber als Plätze. Diese sollten deutlich und dauerhaft aufgestockt werden. Allerdings muss dabei die Qualität der pädagogischen Betreuung gewährleistet werden. Es darf außerdem nicht dabei bleiben, dass der Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug im Jahr 2018 ausläuft. Da haben wir nach wie vor deutlichen Bedarf, und deshalb sollte dieses Sonderprogramm unbedingt in die regulären Freiwilligendienste FSJ und BFD integriert werden. Es wäre wichtig, wenn die neue Bundesregierung dieses in ihrer Agenda berücksichtigen könnte.

Welche Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel in der stationären Langzeitpflege und in der Krankenhauspflege sehen Sie als notwendig an?

Wir müssen aufpassen, dass wir die Pflege nicht schlechtreden. Es ist nicht nur eine anstrengende, sondern auch eine erfüllende Tätigkeit. Notwendig ist eine umfassende und nachhaltige Strategie gegen den Personalmangel. Es gilt, die Attraktivität des Pflegeberufes und die gesellschaftliche Akzeptanz – insbesondere auch im Bereich der Altenpflege – zu steigern. Gute Rahmenbedingungen, wie angemessenes Entgelt, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch Qualifizierungsmöglichkeiten und Karrierechancen, sind hierbei wichtige Faktoren. Diese Prozesse werde ich begleiten und unterstützen. +

Wie bewerten Sie die internationale Flüchtlingsbewegung?

Noch nie seit Ende des Zweiten Weltkrieges waren weltweit mehr Menschen auf der Flucht vor Gewalt als derzeit. Die Menschen überqueren als Flüchtlinge internationale Grenzen oder sind in ihrem Heimatland vertrieben. Von den mehr als 65 Millionen Männern, Frauen und Kindern auf der Flucht suchen zwei Drittel – also etwa 43 Millionen Personen – innerhalb ihres eigenen Staates Schutz vor Gewalt und Verfolgung als sogenannte Binnenvertriebene. Diese Menschen und deren Schicksal stehen aber leider nur selten im Fokus der Öffentlichkeit; umso mehr haben wir als Rotes Kreuz hier eine besondere Verpflichtung, aber auch häufig einen Zugang, den sonst niemand hat. Besonders schlimm: Mehr als die Hälfte der Menschen auf der Flucht sind Kinder unter 18 Jahren. Die Gründe für Flucht und Vertreibung sind oft Armut und Krieg. Aber auch die Fluchtbewegungen als Folge von Naturkatastrophen nehmen zu, häufig aufgrund des Klimawandels. Diese Aspekte werden wir in unserer in

Interview: Hans-Peter Schmitt und Susan Haustein; Foto: Henning Schacht