Die große Not in Cox’s Bazar

Hunderttausende Menschen sind aus Myanmar in den Südosten von Bangladesch geflohen. Das Deutsche Rote Kreuz unterstützt seine Schwestergesellschaft, den Bangladeschischen Roten Halbmond (BDRCS), bei der Versorgung der Geflüchteten.

Die engen Straßen in der Region Cox’s Bazar im Südosten von Bangladesch sind verstopft. Menschen schieben sich über die schlammigen Pisten; Rikschas ebenso wie Lastwagen mit Hilfsgütern für die Geflüchteten aus Rakhine, einem Teilstaat in Myanmar. Dort, wo früher Wälder und Reisfelder waren, leben nun Menschen in Bambushütten. Schwarze Plastikplanen schützen sie notdürftig vor Regenfällen. Seit August 2017 sind fast 700 000 Männer, Frauen und Kinder vor gewalttätigen Ausschreitungen in Myanmar nach Bangladesch geflohen. Immer noch kommen täglich Hunderte über die Grenze.

Jetzt, im Frühjahr, steigen die Temperaturen wieder und die Luftfeuchtigkeit nimmt zu. Es wird wärmer, heißer und stickiger. „Das Klima im Camp ist nahezu unerträglich“, sagt Frank Küppers. Der 49-jährige Rotkreuzhelfer ist seit dem Herbst als Experte für den Bereich Wasser, Sanitär und Hygiene in Cox’s Bazar. Damals war die mangelnde Hygiene ein großes Problem. „Es gab und gibt viel zu wenige funktionstüchtige sanitäre Anlagen. Und sauberes Trinkwasser ist nach wie vor knapp“, so Küppers.

Cholera verhindern

Mittlerweile haben das DRK und der Bangladeschische Rote Halbmond (BDRCS) zusammen mit Helfern aus der Region einige Tiefwasserbrunnen gebohrt und die defekten Latrinen repariert. Doch das Risiko von Krankheiten wie Durchfall, Masern oder Windpocken ist noch nicht gebannt. Noch immer strömen Menschen in die Flüchtlingslager, die zwischen dem Indischen Ozean und der Nationalstraße 1 entlang der Städte Umkhali im Norden und Dhoapalong im Süden liegen. Helfer von DRK und BDRCS informieren die Menschen in der Region rund um Cox’s Bazar darüber, wie wichtig persönliche Hygiene ist. Sie erklären, wie und warum die Hände nach dem Toilettengang gewaschen werden müssen. „Solche Informationen helfen, den Ausbruch von Infektionskrankheiten wie Cholera zu verhindern“, sagt Frank Küppers.

Mobiles Krankenhaus und mobile Gesundheitsteams

Bisher verteilten Rotkreuz- und Rothalbmondhelfer fast 50 000 Plastikplanen und Seile für den Bau von behelfsmäßigen Notunterkünften. Bis zu zehn Menschen übernachten unter den aus den verteilten Planen gebauten Zelten. „Die Menschen benötigen dringend Lebensmittel, Trinkwasser und medizinische Grundversorgung“, erklärt DRKGeneralsekretär Christian Reuter, der sich vor Ort über die Lage der Geflüchteten informierte. Und ergänzt: „Es gibt erschreckend viele Totgeburten und eine hohe Säuglingssterblichkeit.“ Aus diesem Grund hat das Rote Kreuz ein mobiles Krankenhaus in die Flüchtlingsregion geschickt, das mit 60 Betten ausgestattet ist. Für die Kinder gibt es eine eigene Station.

Das DRK setzt gemeinsam mit dem BDRCS auch mobile Gesundheitsteams ein. Ärzte, Hebammen, Sanitäter und ehrenamtliche Helfer kümmern sich in schwer zugänglichen Regionen um die Betroffenen. Pro Tag versorgen die Rotkreuz- und Rothalbmondhelfer so bis zu 300 Menschen. Manche der Geflüchteten wollen wieder zurück nach Myanmar. Aber sie haben Angst – vor Repressalien, denen sie seit Jahrzehnten ausgesetzt sind. Die meisten Geflüchteten jedoch sehen ihre Zukunft in Cox’s Bazar. „Für sie ist das Leben im Camp sicherer als dort, wo sie geboren wurden. Diese Menschen sind auch in Zukunft auf Hilfe angewiesen“, sagt Frank Küppers.

Text: Gerhard Walter; Foto: Michael Drost-Hansen/IFRK