Gefahr von oben

Wer vom Blitz getroffen wird, kann an den Folgen sterben. Umso wichtiger ist es, sich bei den ersten Anzeichen von Gefahr verlässlich zu schützen und bei Unfällen sofort zu handeln. DRK-Bundesarzt Peter Sefrin gibt Verhaltenstipps rund ums Gewitter.

Optisch ist ein Gewitter ein faszinierendes Naturschauspiel, dem vermutlich viele Menschen stundenlang aus nächster Nähe zusehen würden. Werden Mensch oder Tier vom Blitz getroffen, wird es jedoch lebensgefährlich. DRK-Bundesarzt Peter Sefrin beschreibt mögliche Verletzungen: „Bei einem Blitzschlag können Verbrennungen und neurologische Störungen wie Bewusstlosigkeit, Ganzkörperkrämpfe, Missempfindungen und Paresen eintreten. Das sind vorübergehende Muskellähmungen, die je nach Körperregion zu Atemnot, sogar Atemstillstand führen können. Letzterer kann, ebenso wie durch Blitzschlag ausgelöster Kreislaufstillstand und Nierenversagen, tödlich sein. Auch Herzrhythmusstörungen sind möglich, nach Stürzen außerdem Verletzungen wie Knochenbrüche.“

Gefahrenzone von 15 Kilometern

Ausschlaggebend für die Schwere der Konsequenzen sind die Höhe der Spannung, der Eintrittspunkt des Blitzes sowie die Frage, ob er direkt oder indirekt, etwa über ein leitendes Objekt, einschlägt. Je näher am Gewitter, desto höher das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden. Der hält sich dabei nicht zwingend an den „Standort“ seiner Gewitterwolken, sondern kann in einem Radius von bis zu 15 Kilometern rundherum einschlagen. Vorbei ist das Blitzschlagrisiko erst 30 Minuten nach dem letzten Blitz oder Grollen.

Doch wie schützt man sich vor Blitzschlag? „Am besten eignen sich Gebäude mit Blitzableiter oder Bau- und Straßenverkehrsfahrzeuge. Ihre Metallkabinen wirken wie ein Faraday’scher Käfig, sie schirmen die Elektrizität ab“, so Peter Sefrin. In Gebäuden ohne Blitzableiter ist es in der Mitte eines Raumes ohne Kontakt zu Wand oder Gegenständen am sichersten. Wird man in offenem Gelände von einem Gewitter überrascht, sollte man sich ganz klein machen. Alles, was die normale Umgebungsebene überragt, zieht den Blitz an. Bei Menschenansammlungen empfiehlt Sefrin, mindestens zehn Meter Abstand zur nächsten Person zu halten.

Herzdruckmassage für Blitzopfer

Sieben bis zehn Menschen sterben dem DRK-Bundesarzt zufolge hierzulande jährlich an einem Blitzschlag. Ersthelfer steigern die Überlebenschance des Getroffenen um bis zu 80 Prozent, wenn sie in den ersten fünf Minuten nach dem Unfall mit entsprechenden Maßnahmen beginnen. Bei Kreislaufstillstand ist das die Herzdruckmassage: mit dem Handballen das Brustbein kräftig eindrücken, 100- bis 120-mal pro Minute. Das entspricht dem Rhythmus der Lieder „Atemlos“ oder „Staying Alive“. Bedenken, über den Betroffenen einen Stromschlag zu bekommen, zerstreut Sefrin: „Unmittelbar nach dem Einschlag ist es vorbei – man darf ihn sofort anfassen und reanimieren.“ Verletzungen nach einem Sturz und Verbrennungen sind ebenfalls sachgemäß zu versorgen. Generell raten Mediziner den Überlebenden eines Blitzschlags zu einer mindestens 24-stündigen Überwachung auf der Intensivstation. Wer einen Blitzeinschlag beobachtet und selbst nicht helfen kann, sollte sofort den Notruf 112 wählen.

Text: Tonia Sorrentino; Bild: Boris Jordan Photography/Getty Images