Den Schmerzen ein Schnippchen schlagen

Arthrose gehört zu den weltweit häufigsten Gelenkerkrankungen im Erwachsenenalter. Allein in Deutschland leiden etwa fünf Millionen Menschen unter Beschwerden, die diese Erkrankung auslösen kann. Ein Heilmittel gibt es noch nicht – aber viele Möglichkeiten, Schmerzen zu lindern.

Treppen steigen, Schuhe binden, Tennis spielen, E-Mails tippen – wenn dabei immer öfter die Gelenke schmerzen, ist ein Besuch beim Arzt notwendig, um die Ursachen abzuklären. Oft lautet die Diagnose Arthrose, ein Verschleiß des Knorpels, der die Gelenke als Schutzschicht umgibt und wie ein Stoßdämpfer wirkt. Mit zunehmendem Alter, aber auch durch Fehlbelastungen, Verletzungen, Übergewicht oder infolge anderer Erkrankungen nutzt er sich ab. Schließlich reiben die blanken Knochen aufeinander. Das kann heftige Schmerzen und Entzündungen zur Folge haben.

In Bewegung bleiben

Auch wenn es der Medizin noch nicht möglich ist, Knorpel wieder aufzubauen, bedeutet die Diagnose Arthrose nicht, ein Leben in schmerzhafter Bewegungsunfähigkeit führen zu müssen. Denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Lebensqualität zu erhalten. Dazu können auch die Betroffenen selbst viel beitragen. Zum Beispiel haben sowohl Unter- als auch Überforderung negative Folgen: Der Knorpel bildet sich weiter zurück. Professor Hans-Raimund Casser, Chefarzt des DRK Schmerz-Zentrums in Mainz, rät daher, die Gelenke weiterhin zu bewegen und belasten – allerdings maßvoll: „Jeder muss für sich einen guten Kompromiss finden. Wer beispielsweise bislang gejoggt ist, kann auf Nordic Walking umsteigen.“ Schwimmen oder Wassergymnastik sind vor allem Schmerzpatienten zu empfehlen, denn Wasser trägt und entlastet somit die Gelenke.

Hilfreich ist auch die Teilnahme an den Gesundheitsprogrammen der DRK-Kreisverbände. „Wer rastet, der rostet“, bringt es Renate Rack auf den Punkt. Die Diplom-Fachsportlehrerin für Prävention und Rehabilitation führt seit 2008 für den DRK-Kreisverband Villingen-Schwenningen Kurse in Arthroseprävention durch. „Ziel ist es, die Muskeln zu stärken, um Stabilität im Rumpf zu haben und die Gelenke zu entlasten“, erklärt sie. Wichtig sind auch Dehnübungen. „Denn jeder Muskel, der gekräftigt wird, gehört auch gedehnt, sonst wird man steif.“ Die Krankenkassen übernehmen 80 Prozent der Kosten, wenn man pro Kurs acht von zehn Terminen wahrgenommen hat.

Gesund und genussvoll essen

Auch der Ernährung kommt eine wichtige Rolle bei der Linderung von Beschwerden zu. Denn ein Zuviel an zuckerhaltigen und fetten Lebensmitteln – von der Limonade über Wurst und Käse bis hin zu Chips und Fertiggerichten – fördert die Übersäuerung des Körpers und damit die Entstehung von Entzündungen. Zudem führt eine solche Ernährung schnell zu Übergewicht. Jedes Kilo zu viel aber belastet die Gelenke und treibt so den Gelenkverschleiß schneller voran. Maßvolles Abnehmen und eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst, Vollwertprodukten sowie einmal in der Woche Fisch und Fleisch hingegen unterstützen die Selbstheilungskräfte und lindern 

Die Reibung der Knochen verringern

Gute Erfahrungen haben er und sein Team auch mit Hyaluronsäure gemacht. Sie wird in das Gelenk gespritzt und fungiert dort als „Gelenkschmiere“, die die Reibung der Knochen verringert. „Das geht allerdings nur, wenn die Arthrose nicht zu weit fortgeschritten ist und keine schwere Entzündung vorliegt. Zudem hält die Behandlung in der Regel nur sechs bis zwölf Monate vor“, so Casser. Die Knochen können mit 60 nicht mehr so aussehen wie mit 20. Wer aber frühzeitig für ausgewogene Ernährung und angemessene Bewegung sorgt und, statt bei Beschwerden still zu leiden, mit dem Arzt ein Behandlungskonzept abspricht, kann auch mit Arthrose beweglich bleiben und mit Freude am Leben teilhaben.

Text: Anja Martin; Foto: Mike Kemp/Blend Images/Getty Images